Lasertoner für 420,59 EUR: Wie die Antike über meine Rechnung lachen würde

Neben mir fristet mein Bruder, ähm mein Brother sein Dasein. Still, ohne Wehklagen, auf ihn bleibt Verlass. Passiert die Arbeit, dann liefert er. Er arbeitet schnell, akkurat und exakt so wie gewollt. Die Rede ist vom Brother Farblaserdrucker. Aber einmal im Jahr, da will er neue XL Toner: schwarz, cyan, magenta und gelb. Und ein jedes Mal ist es teuer, schließlich ist der Inhalt der Tonerkartuschen mit göttlichem Funken versehen, letztlich nur in Gold aufzuwiegen.

Die Rechnung verhöhnt mich

Neben mir liegt die Rechnung von der Güte, dass ich alle meine Pranayama Kenntnisse zur Anwendung bringen muss. Als Raja Yogi beherrsche ich meinen Geist, doch trotzdem gerät der Groll ob der preisigen Farbe wie das Tosen einer fernen Brandung. Ohne Potential für Aufgewühltheit ist das Ganze ja wahrlich nicht, der Betrag von 420,59 Euro lässt Yogavus‘ Herz schon beim Draufblicken im Zeitraffer altern. Für vier Tonerpatronen meines treuen Brother-Laserdruckers. Vier!

Nicht vier Kisten, nicht vier Paletten – vier mickrige Kartuschen, die zusammen kaum mehr wiegen als ein mittelgroßer Kreuzviertel-Drahthaardackel. Man könnte jetzt einfach aus der yogischen Haut fahren, Ahimsa mal kurz beiseite lassen, fluchen, den Hersteller anprangern und sich fragen, ob die Dinger mit echtem Ebenholzstaub und zertifiziertem Mondlicht gefüllt sind. Aber so wollen wir das nicht gestalten. Nachfolgend mache ich lieber das, was ein aufgeklärter, tech-affiner Vorortguru tut: Ich vergleiche. Historisch. Epochal. Und freilich: auch augenzwinkernd anklagend. Denn wenn man schon so viel Geld für Druckertinte ausgibt, dann soll wenigstens die Weltgeschichte bemüht werden.

Deutsche Mark – 1998, als alles noch echt war

Stellen wir uns vor, wir beamen diese 420,59 € zurück ins Jahr 1998, als die Deutsche Mark noch das Maß aller Dinge gewesen ist. Rechnung hier: 420,59 × 1,95583 (DM) ≈ 822,50 DM. Für Toner!

Damals bekam man für so viel Geld locker einen gebrauchten Golf III mit TÜV, oder ein paar Wochen Urlaub auf Mallorca. Oder einen gebrauchten PC mit Pentium II, 64 MB RAM und einem 17-Zoll-Röhrenmonitor. Damit ließ sich mit Gin Tonic an der Seite und veganen Snacks extraprima DOOM in Fullscreen spielen.

Damals, also 1988, da lag das Jahresgehalt eines Azubis oft bei 15000 bis 20000 DM brutto. Meine vier Toner hätten also fast einen halben Monatslohn eines Berufsanfängers gekostet. Prost, Brother! Oder: Tief in den Bauch atmen, erweitern über die Rippen, hoch in die Lungenspitzen. 😊

Noch weiter zurück – ins Zeitalter der Romantik

Weiter in die Vergangenheit, in die goldene Zeit von meinen hochverehrten Dichtern Goethe und Eichendorff. Wie oft zitiere ich „Der frohe Wandersmann“ … Jawohl, im Wandersmann Yogavus steckt ein Herz wie es von der Romantik träumt.

Jedenfalls, rechnete man in Süddeutschland, Bayern, Württemberg und andernorts mit dem Gulden, unterteilt in 60 Kreuzer. Ein Gulden war der Gegenwert von etwa 2–3 Tageslöhnen eines gelernten Handwerkers. Ein Maurer verdiente ca. 1 Gulden pro Tag, ein einfacher Arbeiter weniger. Mit ein bisschen Rechnerei kommt der weise Yogavus zum Schluss, dass der damalige Gulden der Biedermeierzeit auf ungefähr 80–150 € heutiger Kaufkraft kommt  Meine 4 prima Lasertoner im Wert von 420,59 € wären dann etwa 4,2 Gulden. Ein damaliger Romantiker hätte locker folgendes bekommen: 
– Mehrere Monate Miete für einen Studenten der Königlichen Akademie zu Münster
– Und noch Wechselgeld für ein paar Flaschen Wein unterm Mond am Aegidiitor

Stattdessen: Vier Toner. Ich glaub, ich bin reif für tüchtige 50 Chaturangas. Emotionen abbauen. Ellenbögen nah am Rippenkäfig. Den Boden berühren nur die Zehnspitzen und die Handflächen. 😊

Jetzt wird’s richtig antik – zu den Römern

Auch hier: wer mich privat kennt, weiß um meine Affinität zum Römischen Imperium. Etliche Bücher habe ich zum Thema verschlungen. Fürwahr, wäre ich nicht ein den Frieden predigender Yogi, dann bliebe meiner Seele nur das Paludamentum des Legatus Legionis, also der Umhang des Legionkommandeurs.

Allein schon mein selbstgewählter Name Yogavus sowie yogavus.com als meine digitale Heimstätte in Terra Magica Internetia zeugen von meinem römisch-imperialen Herzen.

Doch reiß dich zusammen Yogavus, weiter in der Auflistung: der römische Denar (denarius), silberner Alltagslohn und Soldatenlohn jener Zeiten. Mit einem Denar kaufte man: 
– Acht bis zehn Laib Brot 
– Eine anständige Mahlzeit in einer Popina (Garküche) 
– Oder – Luxus! – eine Flasche ordentlichen Weins.
Anmerkung: Der Inhalt von Yogavus‘ heutigem Weinschrank wäre schlicht unbezahlbar 😊 …

Machen wir es kurz, liebe Blogleser: 420,59 € entsprechen dann etwa 10,5 Denaren. Mit 10,5 Denaren hätte ein römischer Centurio folgendes anstellen können: 
– Einen Monatslohn eines Legionärs decken
– Sich eine prima Sklavin oder einen Esel kaufen 
– Und noch genug übrig für täglich Wein, Oliven und Brot

Stattdessen bezahle ich mit dem Gegenwert von alldem vier schwarze Plastikdinger.

Tonerhersteller, hört Yogavus‘ Worte

420,59 € sind heute 822 DM von 1998.
420,59 € sind heute 4,2 Gulden aus der Romantik,
420,59 € sind heute gut ein Monatslohn eines römischen Legionärs.

In der Antike hätte ich für den Gegenwert von 420,59 € ordentlich Saus und Braus haben können. Stattdessen drucke ich brav Zettelchen aus. Vielleicht sollte ich das nächste Mal einfach auf Palmblätter umsteigen. Schließlich ritzte der große Patanjali damals noch mit dem Metallgriffel sein Yogasutra auf Palmblätter.

Einen wunderbaren Sonntag wünscht dir dein leicht verarmter, aber historisch gebildeter
Yogavus.

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