Hallo zusammen! Es ist der 17. Februar 1994, und ich sitze hier in meinem „Kinderzimmer“ in der elterlichen Wohnung – ja, ihr habt richtig gehört, immer noch zu Hause, Poster von Jackie Chan an der Wand und der alte Commodore 64 in der Ecke, daneben der Peacock 486DX-40, auf dem tippe ich gerade diesen Beitrag ins Forum.
Anmerkung: Dieser Beitrag ist am 17. Januar 1994 von mir im CompuServe Forum veröffentlicht worden. Der originale Ursprungspost damals hatte noch die sehr gering-aufgelöste Variante des hier gezeigten Fotos (640×480, 256 Farben, GIF komprimiert). Nach FidoNet und CompuServe wechselte ich ein Jahr darauf komplett ins neue offene World Wide Web, einige ausgewählte Beiträge wie dieser hier zogen mit um.
Ich bin gerade mal 20 Jahre jung, entwerfe, baue und verkaufe PC-Computer und branchenspezifisches Zubehör und wisst ihr was? Seit genau einem Jahr bin ich stolzer Besitzer eines Porsche 928 S. Ja, ein echter Porsche, 310 PS, V8, das volle Programm. Wie das zusammenpasst – Kinderzimmer plus Porsche? Na ja, wem’s nicht passt, der soll’s mir ins Gästebuch schreiben. Vom ersten übrig gebliebenem Geld wurde er angeschafft, allen Unkenrufen zum Trotz. Es hieß: „Junge, nimm den, aber pass auf – der frisst Benzin wie ein Durstiger in der Wüste.“ Und recht haben sie gehabt. Sei es drum, für so ein Biest zahle ich gerne den Preis. Schließlich ist der Porsche 928 S nicht einfach irgendein Brot-und-Butter-Auto, sondern meines Herzens wirklich tägliche Freude. Egal welche Fahrt, jeder Meter passiert mit einem Lächeln im Gesicht.
Hier erzähle ich, warum der 928 S nicht nur ein Auto für mich ist, sondern eine echte Liebelei. Ich bin kein Profi-Mechaniker, nicht einmal ein Hobby-Schrauber, der samstags in der Garage rumwerkelt, aber ich hab mich reingelesen und die technische Fasination des Autos ist freilich sehr vereinnahmend.
Die Technik des Gran Turismo von Porsche
Zuerst mal zur Technik, die mich total fasziniert. Der Motor ist ein gußeiserner V8 – ja, Gußeisen, nicht so ein leichter Alu-Block wie bei manchen modernen Vertretern dieser potenten Fahrzeuggattung. Der 928 S hat 4,7 Liter Hubraum, und das Gußeisen macht ihn robust wie einen alten Panzer. Warum fasziniert mich das? Weil’s so old-school ist, fast wie aus einer anderen Ära.
Die 310 PS kommen nicht aus dem Nichts – die Zündung ist präzise, und der Sound… – hier fehlen mir ein wenig die Worte – der Sound! Wenn ich den Zündschlüssel drehe, brummt der V8 los wie ein Löwe, der aufwacht. Sonor, tief, gänsehauterzeugend. Auf der Landstraße, bei 3000 Umdrehungen, vibriert der ganze Wagen, und es fühlt sich an, als würde er mit dir reden. „Komm schon, gib Gas!“, sagt er. Und manchmal, faktisch immer, fahre ich extra Umwege, nur um diesen Klang zu hören. Es ist wie eine Symphonie für Autofans – kein hohes Jaulen wie bei einem Ferrari, sondern ein basslastiges Grollen, das in die Seele geht. Aber der Motor allein ist es nicht.
Mitlenkende Hinterachse
Was den 928 S wirklich einzigartig macht, ist die mitlenkende Hinterachse. Die nennen die Jungs bei Porsche „Weissach-Achse“, nach dem Ort, wo sie entwickelt wurde. Stell dir vor: Normale Autos haben starre Achsen hinten, die einfach mitrollen. Aber beim 928 lenkt die Hinterachse passiv mit! Wenn du in eine Kurve gehst, drehen sich die Hinterräder leicht mit ein, je nach Belastung. Das ist absolut geniale und pure Mechanik mit Gummilagern und Kinematik. Ergebnis? Tadelloses Kurvenverhalten! Auf einer schönen Tour mit meiner Melania Yogavia auf dem Beifahrersitz habe ich das mal ausprobiert – enge Serpentinen, nasser Asphalt nach Regen. Andere Wagen schleudern oder untersteuern, aber mein 928 S klebt am Boden wie mit Kleber. Kein Quietschen, kein Drama, nur purer Grip. Es fühlt sich an, als würde der Wagen vorhersagen, was du als Nächstes tust. Als Hobby-Fahrer denk ich mir: Wow, das ist Ingenieurskunst aus den 70ern, die immer noch top ist. Und wisst ihr, warum? Weil Porsche nicht nur schnell bauen wollte, sondern auch sicher. Der 928 war ja als Nachfolger des 911 gedacht, aber mit Frontmotor und besserer Balance. 50/50-Gewichtsverteilung – das merkt man in jeder Biegung.
Starke Bremsen machen einen starken Wagen aus
Jetzt zum Bremsen: Heiliger Bimbam, die Bremsen sind ein Kapitel für sich! Der 928 S hat Scheibenbremsen rundum, mit Belüftung und allem Pipapo. Die Leistung ist so hoch, dass es auf der Autobahn schon mal peinlich für die anderen wird. Neulich hing ein BMW 540i hinter mir dran. Der ambitionierte Herr wollte wohl zeigen, was er draufhat, klebte mir am Heck. Ich fahr entspannt 260 auf der A30 Osnabrück Richtung Niederlande, und plötzlich zieht vor mir ein Lkw mit wohl übermüdetem Fahre nach links rüber. Ich trete drauf – zack, der Porsche wirft den Anker aus, absolut wie immer Verlass auf Verzögerung die einem den Atem nimmt. Kein Tauchen, kein Schlingern, einfach nur Verzögerung pur. Der BMW-Fahrer? Der musste wohl mit in die Hose gerutschtem Herzen nach rechts ausweichen, weil seine Bremsen nicht mithalten konnten. Und der Knabe hatte wohl auch nicht den erforderlichen Abstand zu mir. Es wurde eng für ihn, aber es ging alles gut und wir haben hinterher auf dem nächsten Rastplatz noch eine halbe Stunde gefachsimpelt.
Die Zuverlässigkeit
Der 928 ist nicht nur schnell, er stoppt auch wie ein Profi. Die Anlage ist so dimensioniert, dass sie Hitze abführt und nie müde wird. Von der Zuverlässigkeit her? Top! In meinem ersten Jahr hab ich 15.000 Kilometer runtergerissen – Landstraßen, Stadtverkehr, Autobahn: kein einziger Ausfall. Der Motor läuft rund, die Elektronik ist stabil. Klar, er verbraucht 15 Liter auf 100 km, bei voller Last zeigt der Momentverbrauch auch 40 Liter an. So what … dafür kriegst du einen Traumwagen mit Power ohne Ende, zumal in zuverlässig.
Die Menschen lieben Optik und Sound des Autos
Auf dem Parkplatz? Die Leute starren. In der Stadt? Fußgänger gucken, und ja, auch die hübschen Frauen werfen Blicke rüber. Letzte Woche: Eine Blonde lächelt und fragt: „Ist das deiner? Wow, sieht aus wie aus einem James-Bond-Film!“ Ich grinse nur und denk erstmal an meine Melania Yogavia = KEINE Mitfahrt anbieten. Und dann weiter: „Danke, ist ein Porsche 928 S.“
Mein starker Freund im weißen Blechkleid hat diese zeitlose Linie – lang, flach, aggressiv. Er macht dich zum Star, ohne dass du dich anstrengen musst.Aber wisst ihr, nichts ist perfekt. Ein kleiner Wermutstropfen: Dieser Motor hat einen Zahnriemen für die Ventilsteuerung, und der muss regelmäßig gespannt werden. Alle paar Tausend Kilometer muss ich ins Porsche-Zentrum Osnabrück pilgern. Nervig, sag ich euch! Die Mechaniker da grinsen immer: „Ah, der 928 – klassisch, aber pflegeintensiv.“ Und einen Mechaniker habe ich mal mit seinem Kollegen reden hören, der ahnte nicht, dass ich der Halter bin vom Fahrzeug auf seiner Hebebühne. Er bezeichnete meinen 928 S ein wenig genervt als Kampfstern Galactica. Vermutlich schlägt das Herz dieses Profischraubers eher für die 911er Linie.
Zurück zur Zahnriemenspannung: Es kostet Zeit und Geld, und wenn man’s vergisst, kann’s teuer werden. Man akzeptiert das, bleibt ja nichts anderes übrig. Es ist wie eine Beziehung: Man investiert, und es lohnt sich.Zum Abschluss eine kleine Ode an meinen 928 S:
Ode an den Porsche 928 S
Oh du prächtiger V8-Renner, mit deinem Grollen, das die Nacht erhellt, deiner Achse, die Kurven tanzt wie ein Ballett, deinen Bremsen, die Welten anhalten. Du machst aus einem normalen Tag eine Abenteuerfahrt, lässt Herzen höher schlagen und Blicke wandern. In einer Welt voller Allerweltskarren bist du der König, robust, zuverlässig, unwiderstehlich.
