Plus ein Grad Celsius, etwas Schneefall und ein Wind gefühlt wie im winterlichen Montana, so war das Setup für meine heutige tägliche Wanderung im wunderbaren Umland. Die paar wunderbaren Kilometer kannten ihre Ruhe, wie sie schließlich nur ergänzt wurde durch das laute Schimpfen eines Nestbauers im Wald, durch ganz wenige andere Flaneure und Jogger. Es wurde genickt, einer ließ sogar ein „Moin“ hören, was dem höchstmöglichen Grad an spontaner Kommunikation in der Region darstellt. Jedenfalls bot mir der Lauf den Raum für Gedanken, für Überlegungen ob der Weltangst meiner Mitmenschen.
Körper spiegelt Angst
Ist sich das Individuum fortlaufend und alltagsbegleitend einer unausweichlichen Katastrophe sicher, dann bleibt das nicht folgenlos. Zum einen bleiben Impulse aus, fröhliche Dinge zu beginnen. Ja freilich, wie soll der Mensch dergestalt überhaupt einen fröhlichen Kern wahren? Wir sind körperlich hochkomplexe Geschöpfe mit einer eindrucksvollen Lebenserwartung, unser naturgegebenes Immunabwehrsystem bestätigt eindrucksvoll all die Äonen der evolutionären Anpassung und Optimierung. Und doch braucht es mehr als nur ein paar Salze, Fette und Vitamine. Das Fehlen von Glücklichsein erodiert das Immunabwehrsystem. Am Ende ist die in Mitleidenschaft gezogene Gesundheit Ausdruck jener Apokalyptik, wie man ihr gar nicht erst erliegen sollte.
Nicht ein Fiebertraum allein
Erschwerend im gegebenen Bild, dass es bei den der Weltangst anheim gefallenen Menschen nicht lediglich bei einer vermeintlich unausweichlichen Katastrophe bleibt. In den Köpfen arbeiten dunkel miteinander korrespondierende Ängste, bilden Schnittstellen zueinander, verdrängen den Optimismus wie die Nacht dem Tage das Licht nimmt.
Da sind Ängste vor zum Feinbild erklärten Viren, vor dem Wettergeschehen, vor dem, was wir ausatmen. Da ist die 24/7 in uns installierte Furcht vor Menschen mit anderen politischen Überzeugungen. Und ganz neu im Angebot, Politiker und Medien hauen es heraus wie die Marktschreier: die klamme Sorge vor Krieg. Im letzten Fall ergänzt durch die gesetzte Gewissheit, der Krieg sei unausweichlich. Ein prima böser Feind ist längst erkoren, so seien die Dinge nunmal. Obendrauf heißt es, für Schönfärberei wie Pazifismus sei kein Platz.
Stell dir einen Tag ohne Drama vor
Stell dir vor, du wachst auf, und statt den Tag mit dem Scrollen durch endlose Feeds zu beginnen, atmest du tief ein und spürst die Stille. Die Welt draußen ist immer noch da, mit all ihrer Pracht – der Wind in den Bäumen, das Lachen eines Kindes, die sanfte Wärme der Sonne auf deiner Haut. Aber die Nachrichten? Sie sind wie ein fernes Echo, das du nicht mehr hereinlässt.



In einer Zeit, in der jede App, jeder Bildschirm und jede Schlagzeile nach deiner Aufmerksamkeit schreit, könnte das Ignorieren von Nachrichten der radikalste Akt der Selbstfürsorge sein. Und wer mich persönlich kennt, der hört von mir in regelmäßigsten Abständen den Appell, sich selbst für das Glücklichsein zu entscheiden. Es gibt keinen Weg zum Glücklichsein, denn Glücklichsein ist der Weg. Die letzte Formel könnte glatt von mir sein, wenn nicht schon Buddha Siddhartha Gautama diesen Satz vor langer Zeit statuiert hätte.
Sauberkeit als yogische Disziplin
Stets rede ich vom yogischen Lebensethos. Zehn freundliche Empfehlungen, mit sich selbst und schließlich mit der Welt ins Reine zu kommen. Einer dieser Ethiken ist Saucha, die Sauberkeit. Und für unsere Zeit, für unseren Kulturkreis passend soll hier nicht die Rede sein vom Stück Seife, sondern vielmehr vom Reinhalten des eigenen Geistes.
Befreist du dich, dann nennen sie dich einen Ignoranten
Es geht nicht um Ignoranz, sondern um die Wahl, was du in dein Leben lässt. Und glaub mir, wenn du das tust, öffnet sich ein Raum, in dem die wahre Schönheit der Welt wieder atmen kann. Denke mal darüber nach, wie Nachrichten funktionieren. Sie sind darauf ausgelegt, uns zu fesseln – mit Katastrophen, Skandalen und endlosen Debatten, die oft mehr Angst schüren als informieren. Sie verzerren unsere Wahrnehmung, machen aus der Welt ein Schlachtfeld aus Krisen und Konflikten.
Erinnerst du dich an die letzten Jahre? Diese endlosen Berichte über Lockdowns und Impfungen, die wie ein Trommelfeuer auf uns einprasselten. Plötzlich schien alles nur noch aus Restriktionen und Ängsten zu bestehen, als ob die Seele der Menschheit in Quarantäne gesteckt worden wäre. Kritisch betrachtet, haben diese Nachrichtenströme unsere innere Balance gestört. Sie haben uns isoliert, misstrauisch gemacht und die natürliche Verbundenheit mit dem Leben unterdrückt.
Und wofür? Oft nur, um Klicks zu generieren oder Narrative zu pushen, die wenig mit der Realität zu tun haben. Aber was passiert, wenn wir uns davon abwenden? Wenn wir stattdessen den Pfad des Yoga einschlagen, der uns lehrt, im Hier und Jetzt zu verweilen?
Der Yogi ist seit Krishnamacharya längst ein befreites Individum
Yoga war mal eine Männerklamotte. Für viele Jahrtausende war es so, dass Frauen keinerlei Zugang dazu hatten, ihnen wurde seinerzeit das Befähigtsein für Yoga abgesprochen. Yoga war mal etwas nicht für Weiße. Yoga war mal etwas, da hast du dem Guru zwanzig Jahre die Bude geputzt und dann, sein gütiges Wohlwollen war vonnöten, dann hat er dich in Pranayama unterwiesen. Gottlob sind diese Zeiten vorüber. Den heutigen Yogi sehe ich im Lichte eines Shiva, frei, edel, meditierend und wild tanzend. Das Gelenktwerden durch ein Patriarchat wie durch ein Medienarchat, dafür sehe ich keinen Raum.
Schaff mit Yoga Platz für Schönheit, für Wunder
Yoga ist mehr als nur Asanas auf der Matte, immer wieder spreche ich davon. Raja Yoga kennt diesen einen wichtigsten Weg: beobachte deinen Geist, lerne ihn kennen und dann beherrsche ihn.
Stell dir vor, du sitzt in Meditation. Statt des mentalen Rauschens von Quatsch und Angst aus Nachrichten füllt sich dein Geist mit der Weite des Atems. Diese Praktik schafft Raum – Raum für Entfaltung, wo Ideen deine keimen können, ohne von externem Druck erdrückt zu werden.
Ich habe erlebt, wie Menschen, die den Nachrichten den Rücken kehren, plötzlich wieder kreativ werden, Beziehungen vertiefen oder einfach nur die kleinen Wunder des Alltags bemerken. Ein Spaziergang im Wald wird zu einer Symphonie aus Farben und Geräuschen, ungetrübt von der Sorge um ferne Katastrophen. Einfach mal offen sein für die Sorglosigkeit der Natur, dem geschäftigen Tun der lieben Vöglein, den Gerüchen nach Regen wie Sonne, der Schönheit von Holzkunst am Wegesrand.



Befreist du dich, dann nennen sie dich einen Verräter
Natürlich ist das nicht immer einfach. Die Welt schreit laut, und es fühlt sich manchmal an wie ein Verrat, sich zurückzuziehen. „Aber du musst doch informiert sein!“ höre ich oft. Hier oft anhängig, dass man fraglos gegen das, gegen jenes und vor allem gegen die sein müsse. Pustekuchen, als Yoga liebe ich alle Menschen, an meinem Tisch ist für jeden Platz.
Doch was bedeutet „informiert“ wirklich? Ist es das endlose Konsumieren von Unwahrheiten wie verzerrten Halbwahrheiten, die unsere Seele belasten? Oder ist es das tiefe Wissen um das, was uns nährt? In der yogischen Philosophie geht es um Ahimsa, der erste wie der wichtigste yogische Ethos. Gewaltlosigkeit. Und in der hier gemeinten Konsequenz auch gegenüber sich selbst.
Indem wir Nachrichten ignorieren, die uns verletzen oder verzerren, üben wir genau das. Wir lassen zu, dass Zuversicht wächst, wie eine Pflanze, die endlich Licht bekommt.
Denk an die alten Weisen: Sie suchten die Stille der Berge, nicht die Marktplätze der Gerüchte. Und in dieser Stille fanden sie Sinn, der tiefer geht als jede Schlagzeile. Ahmen wir es ihnen nach. Den Berg wirst du etwa hier im flachen Umland vergeblich suchen, doch ist der gemeinte Ort der Stille ohnehin nicht im Außen, sondern in den (stillen) Kammern unserer Herzen.
Sadhana: Nachrichten-Heilfasten
Lass uns ein bisschen tiefer eintauchen. Nehmen wir an, du entscheidest dich, eine Woche lang ohne Nachrichten zu leben. Am ersten Tag mag es unruhig sein – der Geist sucht nach dem gewohnten Kick. Aber dann? Du bemerkst, wie deine Energie zurückkehrt. Statt dich über politische Dramen aufzuregen, investierst du Zeit in etwas Schöpferisches: Vielleicht ein langes Gespräch mit einem Freund, das Lesen eines Buches über spirituelle Weisheiten oder einfach nur das Beobachten des Himmels bei Sonnenuntergang. Diese Momente enthüllen die Schönheit, die die Nachrichten so oft überdecken. Schönheit, sie wohnt zweifelsohne der Mantra- und Kirtanmusik inne. Zurzeit und eigentlich seit Monaten höre ich nahezu täglich das Album „On The Path“ von der Mudita Mantra Band (der Link führt zu Apple Music).
Die Welt ein wunderbarer Ort. Die Schönheit einer Blüte, die Schönheit einer Frau, jeder Atemzug ist Herrlichkeit, ist göttliches Spielen mit Schönheit. Yoga gibt uns hier einen riesigen bewährten Koffer voller Möglichkeiten an die Hand, für all diese Schönheit, für all diese Möglichkeiten wieder empfänglich zu werden. Durch Pranayama, das den Lebensatem weckt. Durch Shavasana, wo wir uns der Unendlichkeit hingeben.







Und vergiss bei alledem: du willst vielleicht gar kein Bergasket werden, ein Samana, ein orthodoxer Superyogi. Lebe, lache, esse, trinke. Und auch dem guten Tropfen, der leckeren italienischen Pasta wohnt viel Zauber von Glück inne. ☺️
Tun, wirklich tun
Und ja, es gibt Kritiker, die sagen, das sei egoistisch oder weltfremd. Aber ist es nicht egoistischer, sich von negativen Narrativen fesseln zu lassen, die uns handlungsunfähig machen, uns mit Angst festkleben? In den letzten Jahren haben wir gesehen, wie Lockdowns und Zwangsmaßnahmen nicht nur Körper, sondern auch Geister eingesperrt haben. Noch immer können wir diese Angsterkrankungen mitunter deutlich beim Einkaufen und andernorts sehen.
Die Nachrichten haben das alles verstärkt, anstatt uns zu befreien. Indem wir sie ignorieren, gewinnen wir unsere Souveränität zurück. Wir schaffen Raum für Glück, das nicht von externen Ereignissen abhängt, sondern aus dem Inneren sprudelt. Sinn entsteht nicht durch Information, sondern durch Erfahrung – durch das Fühlen der Erde unter den Füßen, das Teilen von Lachen, das Erkennen der Seele in allem. Als unüblicher Yogi getraue ich mich auch zu sagen, dass hier auch der Genuß von wunderbarem Rotwein zu einem (oder zwei) prima Teller Spaghetti-Tofubolognese meines veganen Lieblingskochs einen Platz hat.
Hier noch eine lustige Anekdote meinen Lieblingskochbuchautoren betreffend: Auch mit Bezug auf ihn wurde schon von mir gefordert, ich sollte mich deutlich von diesem Pionier der deutschen Veganszene, diesem Bestsellerautor distanzieren, sonst würde ich Gefahr laufen, dass ich dessen Weltbild gutheiße.
Schritt für Schritt schafft sich das
Am Ende des Tages geht es um Balance. Nicht um totales Abschotten, sondern um bewusste Wahl. Fang klein an: Reduziere die Zeit für Scrollen durch Nachrichten, gucken der Manipulateure in den TV-Nachrichten. Nutze deine freigewordene Zeit für yogische Praktiken oder Spaziergänge in der Natur. Mach weiter mit einem längst abgelegten Hobby oder such dir eine neues prima Hobby aus. Auch in dieser Auflistung passt ein guter Tropfen und ein Film mit Happy End. Plane mit Vorfreude deine nächste Reise an deinen Sehnsuchtsort. Und der Geheimtipp: Verliebe dich in einen wunderbaren Menschen.
Du wirst merken, wie die Welt schöner wird, lebendiger. Dein Leben wird es dir danken. Mit einer robusteren Gesundheit, mit mehr Entfaltung, Zuversicht und tiefem, erfüllenden Glück. Und diese Pflanze, YOGAVUS sagt dir das jetzt ganz im Vertrauen, jetzt wo du es bis ans Ende dieses für heutige Zeiten recht langen Texts geschafft hast, diese Pflanze erblüht nur jenseits der Angst.
